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Presseecke

Ein Bericht aus der Esslinger Zeitung!
 

Modellbahner denkt im Maßstab 1: 87

DEIZISAU: Mit seinem Familienbetrieb fertigt Karl-Heinz Roth vorbildgetreue Modellbahnladung - 1000 verschiedene Frachtstücke

Güter gehören auf die Bahn: Zwölf Jahre ist es her, dass Karl-Heinz Roth für den Eigenbedarf Modellbahnladung suchte. Schnell merkte er, dass das Angebot ziemlich spärlich war. Manches war sehr teuer oder von fragwürdiger Qualität. Also begann der „Eisenbahner mit Leib und Seele“, wie sich der Deizisauer beschreibt, mit der Eigenfertigung. Heute hat sein Familienbetrieb mit rund 1000 Artikeln ein bundesweit einzigartiges Angebot.

 

Die ersten, die über Roths Eigenanfertigungen staunten, waren die Kollegen beim Modelleisenbahnclub Esslingen. Beim Workshop zum Selbstbau von Ladegut auf der Messe auf dem Killesberg passierte dann das, was Herr Roth schon vermutet hatte. „Kann man das auch fertig kaufen?“, fragten ihn viele Modelleisenbahner. Zur nächsten Messe ging er als Kleinserienhersteller, nach einem weiteren Jahr meldete er ein Gewerbe an. Ein Gewerbe, das keinen Lebensunterhalt finanzieren muss. Denn Herr Roth, der eigentlich Einzelhandelskaufmann ist, arbeitet als Paketzusteller. Sein Sohn Bernd, der ebenfalls mit produziert, ist Maler und Lackierer. Auch Ehefrau Ingeborg Roth arbeitet fleißig mit. „Am Anfang könnte ich es immer an die Wand klatschen“, bekennt sie angesichts der fitzeligen Handarbeit. Doch dann gewöhne Sie sich an ein neues Produkt.„Da müssen wir einen Shop machen“, meinte bald der älteste Sohn Markus Roth. Er lebt inzwischen nicht mehr zuhause, betreut aber den Webshop mit weit über 400 Artikeln weiterhin. Ein Neffe, der bei Messen hilft, macht den Familienbetrieb komplett. Die Firma hat auch ein kleines Problem gelöst. Musste Herr Roth sich früher vor dem Besuch von Messen immer von seiner Frau einen Etat genehmigen lassen, erwirtschaftet er diesen nun selbst. Er hat auf Messen in München, Wien, Leipzig, Karlsruhe und Köln verkauft. Jeden April fährt er zur Messe nach Dortmund. Seine Produkte, alle für die gängigste Spurweite H0, gibt es nur im Direktvertrieb, nicht in Geschäften.Was Herr Roth in seinem Lager so nach und nach aus den unzähligen Schachteln holt, sieht alles sehr natürlich aus. „Der Wiedererkennungswert ist sehr hoch“, sagt Herr Roth. Was ist sein Geheimnis? „Ich versuche ein Ladegut aus der Wirklichkeit zu verkleinern.“ Er hat den H0-Maßstab von 1 zu 87 stets im Kopf. Und er verwendet so wenig Kunststoff wie möglich, stattdessen lieber Holz, Furnier, Metall und Stein.

Heu und Stroh sind echt

„Da brauche ich nichts zu tricksen.“ Wenn das Ladegut rostet, ist der Rost echt. Mancher Rohstoff überrascht, Trinkhalme und hölzerne Schaschlikspieße verarbeitet der kreative Modellbauer ebenso wie Trittschalldämmungen. Aus letzterer entsteht das günstigste Produkt, ein „Heuballen eckig“ für zehn Cent. Für vier oder fünf Euro gibt es einen kompletten Wageneinsatz, umrandet mit Aluminiumblech. „Von meinem Stundenlohn könnte ich nicht leben“, meint Herr Roth.

Gefertigt wird das ganze Jahr über, irgendetwas liegt immer auf dem Wohnzimmertisch. Zuerst gibt es ein Probestück, dann wird auf der Messe mit 10 bis 50 Stück getestet. Besonders gefragt sind Schwartenbündel, wie sie in Sägwerken anfallen, und Rundballen aus Stroh und Heu. Letztere sind selbstverständlich aus Echtmaterial und für 50 Cent zu haben. Kunden sind nicht nur Männer: „Das Grobe machen die Männer, die Feinarbeit die Frauen“, beschreibt Bernd Roth eine häufige Arbeitsteilung beim Modellbahnbau.

Feinarbeit ist bei den Roths zum Beispiel angesagt, wenn das Modell einer hölzernen Transportkiste entsteht. „Es ist kein Klotz, sonst stimmt die Maserung nicht“, erläutert Roth, warum die Kiste aus sechs Balsaholzteilen besteht. Sie werden nach der Montage geschliffen, dann wird mit Bleistift und Lineal die Maserung aufgebracht. Zuletzt wird die Kiste mit kleinen Aufklebern versehen, die mit einem Laserdrucker fabriziert wurden. Die Kiste gibt es in rund 40 Varianten.

Mit der Zeit hat Herr Roth vieles gelernt. „Anfangs habe ich bei den Schwartenbündeln noch mit dem Filzstift gemalt. Dann kam ich darauf, dass es ja auch dunkles Furnier gibt.“ Er hat sich auch manches Spezialwerkzeug gebastelt. Am häufigsten braucht er jedoch seine Mini-Kreissäge. Ein Holzstapel besteht schon mal aus 15 Kanthölzern, die zuvor gesägt werden müssen. Für Furnier eignet sich eine Papierschneidemaschine. Diese würde allerdings bei einem anderen Material kapitulieren. Denn der Marmor, den Herr Roth für die entsprechende Beladung verarbeitet, ist natürlich echter Carrara-Marmor.